Requiem für unsere Erde
von Felix Isenbügel

Über das Stück

 

Mit dem Theaterstück „Requiem für unsere Erde" wagt Felix Isenbügel ein Experiment auf die Bühne zu bringen, das entweder ein Ende unserer Zivilisation oder einen nächsten Urknall erwarten lässt.

 

Das Stück nimmt sich eines Themas an, das derzeit in aller Munde ist: Die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zur Umwelt, nach unserem Umgang mit dem Planeten Erde. Es fragt nach den Gründen für die Zerstörung, die der Mensch anrichtet - und nach den Kräften, die die Menschheit daran hindern, mit dieser (Selbst-)Vernichtung aufzuhören. „Requiem für unsere Erde" tut dies in Form eines neuen Mysterienspiels.

 

Es erzählt diese Geschichte in verdichteter Form, in gebundener Sprache, mit Vers und Reim. Dies schafft einen Abstand zur alltäglichen Diskussion um Klimawandel und Machtkritik.

 

Gleichzeitig hat es die Form einer Fernsehtalkrunde, die wie so oft auf dem Bildschirm in frustrierender Konfrontation endet. Was die Aufmerksamkeit jedoch sofort weckt, sind die Protagonisten auf der Bühne. Es sind vier Personen, der Intendant, die Beobachterin, der Machthaber und das Medium und dazu die Erde, die alle diese Vier hervorgebracht hat und wieder in sich aufnehmen wird. Geht die Erde unter nach dem Abgesang oder kann sie sich neu erschaffen?

 

Hier nutzt Felix Isenbügel auf dem Höhepunkt der frustrierenden Konfrontationen einen raffinierten Theaterkniff. Er lässt die Akteure in den Schuhen eines anderen weiterspielen und wirbelt dabei die Figuren kräftig durcheinander.

 

Inhalt

 

Die typisierten Figuren spielen durch, wie der katastrophale Status Quo auf diesem Planeten immer weiter fortgesetzt wird. Erkunden, welche Allianzen geschmiedet werden könnten, um etwas daran zu ändern. Und behaupten, dass der Kreis der Akteure größer ist, als wir

Menschen denken.

So meldet sich die Beobachterin zu Wort, eine „unentdeckte Präsenz", die die Erde seit Millionen von Jahren observiert. Aber auch die Erde selbst bekommt eine Stimme. Gemeinsam stellen sie den Machthaber vor Gericht. Doch die Verhältnisse sind fixiert, zementiert. Änderung scheint unmöglich. Erst als das Medium, eine Seherfigur, alle Prozessbeteiligten in den Rollentausch zwingt, kommen die Verhältnisse in Bewegung - oder doch nicht? Das vermeintliche Verständnis füreinander offenbart die Überwachungsphantasie, die der Machthaber hat.  Gemeinsam entziehen die vereinigten Kräfte von Erde, Medium und Beobachterin dem Machthaber seine Macht und stufen ihn zum bloßen „Haber“ herab.

Befreit von der Versuchung der Macht kann der „Haber“ sich öffnen und an sich selbst eine Veränderung beginnen.

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Werkstattlesung

am 22. + 23.4.2022 um jeweils 19:30 Uhr

Ort: Zimmerbühne Potsdam

Zimmerstr.12b, Potsdam

Tickets: www.theater-poetenpack.de

 

Es lesen: Camilla Hiepko, Pia Seifert, Peter Wagner und Felix Isenbügel

Musik / Sounds: White clashes

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Rezension von Frank Alva Buecheler

 

REQUIEM FÜR UNSERE ERDE – dieser Titel! Und dann am 22. April 2022, dem offiziellen Tag der Erde... Das lässt mich auf dem Weg zur Zimmerbühne einen deprimierenden Theaterbesuch erwarten, außerdem weht an diesem kalendarischen Frühlingsabend ein eisiger Wind durch die Altstadt von Potsdam – vermutlich ist es viel zu kalt für die Jahreszeit. Ja, ich weiß das doch alles, das ganze Desaster um unser Klima, Konzerngewinne und die resultierende Katastrophe, in die wir schon tief verstrickt sind. Und zu Beginn der szenischen Lesung warnt der Autor das erstaunlich zahlreich erschienene Publikum auch noch, ihm würde jetzt eine Stunde – wie man sagt – schwere Kost bevorstehen. Ich kann nicht mehr abhauen – ich kenne den Autor, er hat mich schon am Eingang begrüßt. Okay, Schmerz, nimm deinen Lauf!... Und in der Tat, gleich die ersten Sätze sind schwer, schwerer, am schwersten... Aber, was ist das?! Der Text ist gereimt!! Auch das noch! Kommt jetzt eine anthroposophische Weichspülung? Nein, kommt nicht. An dem gigantischen Thema kann der Autor eigentlich nur scheitern, es allenfalls in kleinste Einheiten des Konkreten runterbrechen... Doch nichts von alledem macht Felix Isenbügel. Er scheitert nicht, er macht das Große nicht klein, stattdessen gelingt ihm, mit Hilfe des Reims den ganzen Horror ins fast Amüsante zu wenden und dem Publikum einen emotionalen, empathischen Zugang zur Fülle der schrecklichen Fakten zu öffnen. Isenbügel liest selber mit, zwei guten Schauspielerinnen Camilla Hiepko und Pia Seifert und ein guter Schauspieler Peter Wagner assistieren ihm gekonnt auf der kleinen Bühne des Zimmertheaters, die für eine keinesfalls lange Stunde zum Weltkosmos wird.

Dem Stück ist eine baldige, behutsame „fully staged“ Produktion zu wünschen!